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thauma. junior · Existenzialismus — Wahl und VerantwortungZehn Wege durch Wiesengrund · Band 9

Bruno und das Nicht-Entscheiden

Auch Nichtstun ist ein Tun

Sartre nennt es „Verurteiltsein zur Freiheit“: Wir können nicht nicht wählen, denn auch das Nichtwählen ist eine Wahl, für die wir geradestehen. Sein Beispiel ist der junge Mann, der sich zwischen der kranken Mutter und dem Widerstand entscheiden muss und von niemandem die Antwort bekommt. Für ein sechsjähriges Kind sieht dieselbe Struktur so aus: Zwei Freunde wollen an einem Nachmittag etwas mit ihm machen, und beides geht nicht. Diese Geschichte entlastet Bruno nicht mit einem glücklichen Zufall. Sie lässt ihn erleben, was Erwachsene oft verdrängen — dass Zögern eine Entscheidung ist, nur eine, die man nicht zugeben muss.

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Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: Bruno auf einer Treppenstufe zwischen zwei Wegen, links Luftballons, rechts ein Bolzplatz.
Bruno und das Nicht-Entscheiden Auch Nichtstun ist ein Tun Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 9
Ela hält Bruno eine selbstgemalte Einladung hin, Sonne, Zaun mit Lampions dahinter.
Ela hatte Geburtstag. Am Samstag um drei. Sie hatte die Einladung selbst gemalt.
Timur zeigt Bruno sein Trikot, aufgeregt, am Bolzplatzzaun.
Timur hatte am Samstag sein erstes Spiel. Auch um drei. „Kommst du?“, fragte er.
Bruno mit beiden Zetteln in den Händen, schaut von einem zum anderen.
„Klar“, sagte Bruno zu Timur. „Klar“, sagte Bruno zu Ela. Beides ging nicht.
Bruno im Bett, Blick zur Decke, an der Wand hängen beide Zettel nebeneinander.
Abends lagen die zwei Zettel auf dem Stuhl. Bruno drehte sich um. Er dachte: Morgen weiß ich es.
Samstag: Bruno trödelt am Frühstückstisch, Uhr an der Wand zeigt zwanzig nach zwei.
Am Samstag war Bruno langsam. Er suchte lange seine Schuhe. Die Uhr in der Küche machte weiter.
Bruno steht an der Kreuzung, links der Weg zu Elas Garten, rechts zum Platz, er steht still.
An der Kreuzung blieb er stehen. Links der Garten. Rechts der Platz. Bruno stand einfach da.
Kirchturmuhr zeigt Viertel nach drei, Bruno immer noch an derselben Stelle.
Es wurde Viertel nach drei. Dann halb vier. Bruno hatte sich nicht entschieden. Sagte er sich.
Leerer Bolzplatz, Tornetz, ein vergessener Trinkbecher; leerer Garten mit abgeräumtem Tisch.
Um vier war das Spiel vorbei. Um vier waren die Lampions aus. Beide hatten gewartet.
Brunos Vater sitzt mit ihm auf dem Bordstein, keine Predigt, nur zwei Rücken.
„Ich wollte niemanden traurig machen“, sagte Bruno. „Ich weiß“, sagte sein Vater. „Und dann?“, fragte Bruno.
Sonntag: Bruno klingelt bei Ela mit einem Bild, in der anderen Hand ein Zettel für Timur.
Am Sonntag ging Bruno zu Ela. Danach zu Timur. Es war unangenehm. Es dauerte nicht lange.
Helle Seite mit einer Kreuzung als einfacher Linienzeichnung; an einem Wegweiser sitzt ein blasser Falter.
Und du? Hast du schon einmal nichts gemacht, damit du nichts falsch machst? Was ist dann passiert?

Was wählst du, wenn du nicht wählst?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Die Geschichte hat bewusst kein Happy End im Sinne einer klugen Lösung: Bruno verpasst beides. Der Trost liegt am Sonntag — man kann hingehen und es geraderücken. Sartres Gedanke ist für Kinder in einem Satz fassbar: Nicht wählen ist auch wählen. Erwachsene sollten sich davor hüten, Bruno vorzuwerfen, er habe „gelogen“; er hat etwas viel Häufigeres getan — gehofft, dass sich die Sache von selbst löst.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Was hättest du am Samstag um drei gemacht?
  • Warum hat Bruno beiden „klar“ gesagt?
  • Kann man sich davor drücken, sich zu entscheiden?

Was Kinder hier üben:

Erkennen, dass Aufschieben eine Entscheidung ist — und dass man sie danach geradebiegen kann.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.