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thauma. junior · Stoa — was in meiner Macht stehtZehn Wege durch Wiesengrund · Band 1

Der Regen und der Rest

Emil lernt, was ihm gehört

Dieses Buch erzählt den ältesten Trost der Stoa in der Sprache eines Fünfjährigen: Es gibt Dinge, die stehen in unserer Macht, und Dinge, die stehen nicht in unserer Macht — und fast aller Ärger entsteht daraus, dass wir beides verwechseln. Epiktet, der als Sklave nach Rom kam und sein Leben lang hinkte, hat diesen Satz an den Anfang seines Handbüchleins gestellt. Emil lernt ihn nicht als Regel, sondern an einem verregneten Samstag. Wichtig beim Vorlesen: Der Regen wird nicht schöngeredet. Emil darf wütend sein. Die Geschichte nimmt ihm den Ärger nicht weg, sie zeigt ihm nur, wo er ihn hinlegen kann.

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Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: Emil in gelber Regenjacke am Fenster, draußen graue Schlieren, drinnen warmes Licht.
Der Regen und der Rest Emil lernt, was ihm gehört Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 1
Emil im Bett, Augen schon offen, Rucksack steht fertig gepackt neben der Tür.
Emil war wach, bevor es hell wurde. Heute war der Tag mit dem See. Der Rucksack stand schon seit gestern an der Tür.
Blick aus dem Küchenfenster: Regen läuft in Fäden über die Scheibe, draußen alles grau.
Dann zog Emil den Vorhang auf. Es regnete. Nicht ein bisschen. Richtig.
Emil mit rotem Kopf, Fäuste an der Hose, der Rucksack umgekippt.
„Das ist gemein!“, rief Emil. Er trat gegen den Rucksack. Der Rucksack fiel um. Der Regen hörte nicht auf.
Der Vater hockt vor Emil, beide schauen aus dem Fenster, niemand lächelt.
„Es ist gemein“, sagte der Vater. Er sagte nicht: Halb so schlimm. Er setzte sich neben Emil auf den Boden.
Emil starrt den Regen an, Wangen dick, Arme verschränkt.
Emil schaute den Regen böse an. Der Regen regnete weiter. So ist das mit Regen. Er hört nicht auf zu regnen, nur weil jemand böse guckt.
Frau Osei unter ihrem Vordach nebenan, zwei dampfende Tassen auf einem Hocker, sie winkt herüber.
Nebenan stand Frau Osei unter ihrem Vordach. Sie hatte zwei Tassen dabei. Eine hielt sie hoch.
Emil und Frau Osei nebeneinander unter dem Vordach, Regen fällt zwei Schritte vor ihren Schuhen.
„Der Regen gehört nicht dir“, sagte Frau Osei. „Und mir auch nicht. Dem gehört niemand.“ Emil trank einen Schluck. Der Kakao war heiß.
Emil zeigt mit dem Finger auf die Pfütze vor dem Vordach, ein Blatt treibt darin.
„Und was gehört mir?“, fragte Emil. Frau Osei überlegte richtig lange. „Der Rest“, sagte sie.
Emil in Gummistiefeln mitten in der größten Pfütze, Wasser spritzt bis zur Jacke, der Vater lacht im Türrahmen.
Emil zog die Stiefel an. Die größte Pfütze war die vor dem Zaun. Sie machte ein Geräusch wie ein Trommelschlag.
Abends: Emil, nasse Haare, Decke, am Boden ein aus Zeitungspapier gebautes Boot in einer Schüssel Wasser.
Am See waren sie nicht. Emil war trotzdem müde, so wie man nach einem guten Tag müde ist. Der Regen regnete noch immer. Es machte nichts mehr.
Leere, helle Seite mit einem einzelnen Regentropfen; auf dem Fensterbrett sitzt ein fast weißer Falter.
Und du? Was ist heute passiert, das du nicht ändern konntest? Und was hast du danach gemacht?

Was gehört dir an einem Tag, an dem alles schiefgeht?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Vermeiden Sie beim Vorlesen die Abkürzung „dann eben etwas anderes“. Der Kern dieser Geschichte ist nicht die Ablenkung, sondern eine Unterscheidung: Der Regen war nie Emils. Sein Nachmittag schon. Kinder können diesen Unterschied früher fassen, als man denkt — meist an Dingen, die kleiner sind als ein Ausflug: eine geschlossene Rutsche, ein Freund, der krank ist, ein Bruder, der schneller läuft.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Was war heute so, wie du es nicht wolltest?
  • Konntest du daran etwas ändern — oder war das wie Regen?
  • Was war der Rest, der dir gehört hat?

Was Kinder hier üben:

Zwischen dem unterscheiden, was es beeinflussen kann, und dem, was einfach passiert — ohne dass das eine den Ärger über das andere verbietet.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.