Zum Inhalt springen
thauma.
Alle Bücher
thauma. junior · Utilitarismus — das größte Glück der größten ZahlZehn Wege durch Wiesengrund · Band 10

Die meisten und der eine

Lene, die Abstimmung und Nima

„Das größte Glück der größten Zahl“ — Benthams Formel klingt einleuchtend und ist es oft auch: Sie zählt jeden gleich und fragt nach Folgen statt nach Gewohnheiten. Ihr bekanntester Einwand lautet, dass eine Summe sich nicht darum kümmert, wie das Glück verteilt ist; einer kann übrig bleiben, und die Rechnung stimmt trotzdem. Mill selbst hat deshalb nachgeschärft. Kinder begegnen dieser Frage in ihrer reinsten Form beim Abstimmen. Diese Geschichte spricht sich nicht gegen Abstimmungen aus — sie zeigt nur, dass nach dem Auszählen die eigentliche Frage erst kommt.

Zum Durchblättern

Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: sechs Kinderhände in der Luft, eine einzelne Hand bleibt unten; Ausschnitt, warmes Licht.
Die meisten und der eine Lene, die Abstimmung und Nima Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 10
Gruppenraum, Stuhlkreis, an der Tafel zwei Zeichnungen: Kletterturm im Wald und Schwimmbad.
Am Freitag war Ausflug. An der Tafel stand: Kletterwald oder Schwimmbad? „Wir stimmen ab“, sagte Herr Adam.
Lene zählt mit ausgestrecktem Finger die erhobenen Hände, konzentriert.
Lene durfte zählen. Kletterwald: sechs. Schwimmbad: eins.
Nima mit unten gebliebener Hand, Blick zum Fenster, Räder seines Rollstuhls im Vordergrund.
Das eine war Nima. Im Kletterwald gibt es Wurzeln und Stufen. Nimas Räder mögen keine Wurzeln.
Jubel der anderen Kinder, Lene hält das Zählblatt hoch, Nima im Bildrand.
„Sechs zu eins“, sagte Lene laut. Die anderen jubelten. Es war ja gerecht. Alle hatten gleich viel Stimme.
Nachmittag: Lene zu Hause, Zählblatt vor sich, Stift in der Hand, sie kaut darauf.
Zu Hause guckte Lene auf ihr Blatt. Sechs Striche. Ein Strich. Der eine Strich war komisch.
Lene rechnet mit Bauklötzen: sechs Klötze glücklich, einer bleibt allein liegen.
Sechs Kinder freuen sich. Eins nicht. Sechs ist mehr als eins, dachte Lene. Aber Nima ist ja nicht ein bisschen traurig.
Nächster Morgen im Stuhlkreis, Lene steht auf und redet, alle schauen.
Am Morgen meldete sich Lene. „Können wir noch mal reden?“ Herr Adam setzte sich hin.
Kinder sammeln Vorschläge an der Tafel: Seilbahn? See? Anderes Datum? Nima zeigt auf einen davon.
Sie suchten etwas, wo alle hinkönnen. Nima sagte, was er brauchte. Er wurde zum ersten Mal gefragt.
Neue Abstimmung, diesmal sieben Hände oben, auch Nimas.
Dann stimmten sie noch einmal ab. Diesmal waren es sieben Hände. Nicht, weil Nima wichtiger ist. Weil er mitzählt.
Ausflugstag am See, alle zusammen, Nimas Räder auf festem Weg, Kletterturm im Hintergrund für andere.
Der See war nicht der Kletterwald. Ein paar fanden ihn erst langweilig. Am Ende wollte keiner nach Hause.
Helle Seite mit sieben Strichen, einer davon golden; darüber ein blasser Falter.
Und du? Wenn die meisten etwas wollen — haben sie dann recht? Wen musst du fragen, bevor ihr abstimmt?

Haben die meisten immer recht?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Diese Geschichte sagt nicht, dass Mehrheiten falsch sind — Lene bleibt stolz auf ihr Zählen. Sie zeigt die Lücke im Rechnen: Eine Summe interessiert sich nicht dafür, wie das Glück verteilt ist. Der Wendepunkt ist Seite 9, und er ist kein Mitleid, sondern eine Verfahrensfrage: Nima wird gefragt, bevor abgestimmt wird. Wer mag, probiert es zu Hause aus — erst reden, wer was braucht, dann abstimmen. Der Unterschied ist erstaunlich.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Wann hast du zuletzt verloren, obwohl du gut gestimmt hast?
  • Was fühlt sich anders an: allein übrig bleiben oder mit anderen verlieren?
  • Was muss man wissen, bevor man abstimmt?

Was Kinder hier üben:

Mehrheiten verstehen — und merken, dass Zählen erst nach dem Zuhören kommt.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.