Die Ordnung der Tiere
Wie jede Zeit die Welt neu sortiert
Dies ist ein Bilderbuch mit doppeltem Boden. Oben erzählt es warm und staunend von einem Kind, das seine Tiere ordnen will – und von einer alten Eule, die ihm zeigt, wie die Menschen die Tiere zu verschiedenen Zeiten ganz verschieden geordnet haben. Darunter aber steckt einer der schwierigsten Gedanken der neueren Philosophie: Michel Foucaults Einsicht, dass jede Epoche eine unsichtbare „Ordnung der Dinge“ hat, die im Voraus bestimmt, was überhaupt als Wissen und als wahr gelten kann.
Für das Kind trägt die Geschichte vor allem zweierlei: das Staunen („Menschen sahen die Welt einmal ganz anders!“) und einen Samen von Demut („auch wir könnten uns täuschen“). Das Buch fällt bewusst nicht in die Falle „früher irrten sie, heute wissen wir es“ – die früheren Ordnungen waren nicht dümmer, nur anders. Lesen Sie langsam; und wenn das Kind am Ende fragt, welche Ordnung denn nun stimmt, ist die ehrlichste Antwort die der Eule: dass die Tiere reicher sind, als ein einziges Netz sie je fangen kann. Der ausführliche philosophische Begleitteil findet sich im herunterladbaren PDF.
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Wenn du alle Tiere der Welt ordnen müsstest – nach welcher Ordnung? Und was an unserem heutigen Wissen wird ein Kind in dreihundert Jahren wohl seltsam finden?
So liest man dieses Buch
Lassen Sie das Kind zuerst selbst ordnen – ohne Vorgabe – und vergleichen Sie, wie viele verschiedene, jeweils sinnvolle Ordnungen entstehen. Drängen Sie am Ende nicht auf „die richtige“: Die Frage des Kindes „Stimmt dann gar nichts?“ beantwortet die Eule mit einem klaren Nein – die Wirklichkeit ist reicher als jede Ordnung, aber nicht beliebig. Besonders schön ist das Zukunfts-Spiel: Wie werden Kinder in dreihundert Jahren auf unsere Einteilungen blicken?
Drei Gesprächsimpulse danach:
- Ordne selbst zehn Tiere – ganz ohne Vorgabe. Wie viele verschiedene, sinnvolle Ordnungen sind im selben Raum möglich?
- Über die komische Kaiser-Tiere-Liste lachen wir. Was genau ist daran „falsch“ – und könnte unsere Ordnung einmal genauso komisch wirken?
- Das Kind ruft: „Endlich die richtige Ordnung!“ Hat es recht?
- Wenn jede Zeit anders ordnet – sind wir den früheren Menschen überlegen oder nur anders?
- Wer entscheidet, in welche Schublade etwas – oder jemand – gehört, und mit welcher Macht?
Was Kinder hier üben:
Ordnen und Vergleichen; erkennen, dass es mehr als eine sinnvolle Ordnung gibt; Wandel von Fortschritt unterscheiden; staunen über fremde Sichtweisen – und die Demut, dass auch die eigene Ordnung eine Wahl ist.
Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.