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thauma. junior · Epikureismus — das kleine, sichere GlückZehn Wege durch Wiesengrund · Band 2

Rosa und das größte Ding der Welt

Wie viel man wirklich braucht

Epikur gilt bis heute als Schlemmer, dabei aß er Brot und Käse und schrieb, wer wenig brauche, dem fehle selten etwas. Sein Glück ist nicht das Mehr, sondern das Genug: Freundschaft, kein Schmerz, ein ruhiger Kopf. Dieses Buch stellt einem Kind, das etwas Großes will, keine Moralpredigt entgegen — Rosa darf sich wünschen, was sie will. Die Geschichte zeigt nur, was nebenbei geschieht, während sie wünscht. Am Ende steht keine Bekehrung, sondern eine Beobachtung: Das Beste an diesem Tag hat nichts gekostet. Ob Rosa das Ding trotzdem noch will, bleibt offen — absichtlich.

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Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: Rosa mit der Nase am Schaufenster, darin eine riesige Spielzeugburg, Spiegelung der Straße im Glas.
Rosa und das größte Ding der Welt Wie viel man wirklich braucht Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 2
Schaufenster in der Wiesengrunder Ladenstraße, die Burg mit Türmen und Fahne, Preisschild.
Im Fenster stand eine Burg. Sie hatte vier Türme, eine Brücke und eine Fahne. Rosa fand: Das ist das größte Ding der Welt.
Rosa schüttet Münzen aus einer Blechdose aufs Bett, zählt mit dem Finger.
Rosa zählte ihre Dose aus. Es reichte nicht. Es reichte nicht mal fast.
Rosa geht die Straße hinunter, Jonte hinterher, Sommer, flimmernder Asphalt.
„Ich gucke sie nur an“, sagte Rosa. „Ich komme mit“, sagte Jonte.
Die beiden am Kiosk, ein einziges Eis, zwei Hände.
Am Kiosk hatte Rosa genug für ein Eis. Sie kauften eins und aßen abwechselnd. Jonte biss zu groß ab. Rosa auch.
Beide sitzen auf dem heißen Bordstein im Schatten eines Baumes, Füße im Rinnstein.
Es war heiß. Der Schatten war kühl. Sie saßen einfach da.
Vor dem Schaufenster, die Burg groß im Glas, beide Kinder klein davor.
Dann standen sie vor der Burg. Sie war immer noch groß. Rosa drückte die Nase ans Glas.
Nahaufnahme: Rosas Spiegelbild und Jontes Spiegelbild im Fensterglas, dahinter die Burg.
„Wenn ich sie hätte“, sagte Rosa, „was dann?“ Jonte überlegte. „Dann hättest du sie“, sagte er.
Die beiden bauen aus Kisten, Decke und Wäscheklammern eine krumme Burg im Hinterhof.
Zu Hause lagen Kisten hinter dem Schuppen. Die Burg wurde schief. Sie hatte nur einen Turm und keine Fahne.
Beide sitzen in der Kistenburg, ein Stück Brot geht hin und her, draußen Abendlicht.
Sie passten beide hinein, wenn sie die Knie anzogen. Jonte hatte Brot dabei. Es schmeckte besser als sonst.
Rosa abends, Blechdose auf dem Nachttisch, sie schaut sie an, aber öffnet sie nicht.
Die Dose stand noch neben dem Bett. Rosa wollte die Burg immer noch. Aber sie fehlte ihr nicht mehr so.
Helle Seite, unten die Kistenburg klein gezeichnet, auf dem Turm ein blasser Falter.
Und du? Was hat dir heute gefehlt? Und was war schön, ohne dass es etwas gekostet hat?

Wovon wirst du eigentlich satt?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Der Reiz dieser Geschichte liegt in dem, was sie nicht tut: Sie nimmt Rosa den Wunsch nicht weg und erklärt ihn nicht für falsch. Epikurs Unterscheidung zwischen notwendigen und bloß eingebildeten Bedürfnissen wird nur vorgeführt, nicht gepredigt. Wenn Ihr Kind am Ende sagt, es wolle die Burg trotzdem — sehr gut. Die Frage ist nicht, ob man etwas will, sondern ob man ohne es unglücklich sein muss.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Was wünschst du dir gerade am meisten?
  • Was hättest du dann — und was hast du heute schon gehabt?
  • Was von heute war schön und hat nichts gekostet?

Was Kinder hier üben:

Zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden — und bemerken, was ein Tag schon enthält.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.