thauma. junior · Wirklichkeit · ab 6
Die Schatten an der Wand
Ein Bilderbuch über die Wirklichkeit
Was ist wirklich? Eine der ältesten Fragen der Philosophie – und doch lässt sie sich einem Kind in einem einzigen Bild erzählen. Vier kleine Tiere sitzen in einer warmen Höhle und kennen die Welt nur als Schatten, die an der Wand vorüberziehen. Sie geben jedem Schatten einen Namen und halten ihn für die Sache selbst – so wie wir alle das für wahr halten, was wir gerade vor Augen haben.
Eines der Tiere aber dreht sich um und entdeckt, dass hinter den Schatten ein Feuer brennt – und dahinter ein heller Saum, ein Ausgang. „Die Schatten an der Wand" erzählt Platons berühmtes Höhlengleichnis neu, bürstet es aber sanft gegen den Strich: Es verrät nicht, dass „draußen" das Wahre ist, sondern lässt staunend offen, ob nicht hinter jedem Licht noch mehr verborgen liegt.
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Alle 16 Doppelseiten – Bild und Vers.
















Didaktische Hinweise
So liest man dieses Buch
Diese Geschichte steht in der Tradition von Platons berühmtem Höhlengleichnis (aus seinem Werk „Der Staat" / „Politeia", 7. Buch). Dort sitzen Menschen gefesselt in einer Höhle und sehen ihr Leben lang nur Schatten an der Wand – und halten diese Schatten für die ganze Wirklichkeit. Erst wer sich umdreht, entdeckt das Feuer dahinter und schließlich den Ausgang ins Licht. Wichtig und ehrlich gesagt: Platon selbst war überzeugt, dass es jenseits der Schatten eine „wahrere" Welt gibt, und dass der Weg nach draußen der Weg zur einzig echten Wirklichkeit ist – er hat die Frage also entschieden. Dieses Buch tut das bewusst NICHT. Es bürstet Platon hier sanft gegen den Strich: Es lässt offen, ob „draußen" wirklich das Ganze ist – denn vielleicht liegt ja auch hinter dem Ausgang noch mehr, und man kann nie ganz sicher sein, schon alles gesehen zu haben. Keines der Tiere ist dumm, weil es die Schatten für echt hielt – das tun wir alle mit dem, was wir gerade sehen. Widerstehen Sie der Versuchung, zu sagen „die Schatten sind nur Schein, draußen ist die Wahrheit". Fragen Sie Ihr Kind lieber: Woher wüsstest du, ob du schon alles gesehen hast? Und sagen Sie ruhig selbst einmal: „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?" Die Schlussfrage „Und du? – Bist du sicher?" ist kein Test, sondern eine Einladung zum Staunen.
Drei Gesprächsimpulse danach:
- Was meinst du – wer hat recht? Und warum?
- Was würde wohl ein anderes Tier dazu sagen?
- Kann es vielleicht mehr als eine richtige Antwort geben?
Was Kinder hier üben:
- Perspektivübernahme – die Welt mit anderen Augen sehen.
- aushalten, dass mehrere gute Sichten nebeneinanderstehen.
- spüren, dass eine Frage offen bleiben darf – und das Staunen lieben.
Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?" ist die beste Antwort.