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thauma. junior · Platonismus — Schein und WirklichkeitZehn Wege durch Wiesengrund · Band 5

Was hinter dem Laken war

Kito und die Tiere aus Schatten

Platons Höhlengleichnis ist das berühmteste Bild der Philosophie: Menschen sehen ihr Leben lang Schatten an einer Wand und halten sie für die Welt. Wer hinausgeht, wird zuerst geblendet — und wird, wenn er zurückkommt, nicht geglaubt. Für ein Kind lässt sich das erstaunlich genau nachbauen: ein Laken, eine Lampe, ausgeschnittene Pappfiguren. Wichtig ist der Ausgang dieser Fassung. Kito bekommt keine höhere Wahrheit und keinen Grund, sich überlegen zu fühlen. Er bekommt eine Erfahrung, die alle Kinder kennen: Etwas ist anders, als es aussah — und deshalb nicht weniger schön.

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Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: aufgespanntes weißes Laken, darauf ein großer Wolfsschatten, davor die Rücken zweier kleiner Kinder.
Was hinter dem Laken war Kito und die Tiere aus Schatten Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 5
Gemeinschaftsraum mit Stuhlreihen, ein Laken zwischen zwei Schränken gespannt, warmes Lampenlicht dahinter.
Jeden Freitag spannte Ruth das Laken auf. Dann wurde das Licht ausgemacht. Dann kamen die Tiere.
Schattenbilder auf dem Laken: ein Hase mit langen Ohren, ein Vogel im Flug.
Der Hase war der Schnellste. Der Vogel flog bis oben in die Ecke. Kito kannte sie alle beim Namen.
Der Wolfsschatten wird riesig, Kinder rücken zusammen, ein Kind hält sich die Augen zu.
Der Wolf war der Größte. Wenn er kam, rutschten alle näher zusammen. Kito nicht. Kito guckte.
Nach der Vorstellung: Licht an, Laken hängt schlaff, Kinder gehen, Kito bleibt sitzen.
Nach dem Spiel machte jemand das Licht an. Das Laken war nur noch ein Laken. Kito blieb sitzen.
Kito steht auf und geht auf die Kante des Lakens zu, Lasse zieht ihn am Ärmel.
„Ich will wissen, wo der Wolf wohnt“, sagte Kito. „Bleib hier“, sagte Lasse. „Sonst ist es kaputt.“
Blick hinter das Laken: Lampe, ein Hocker, Pappfiguren an Stäben, Ruths Hände.
Hinter dem Laken war eine Lampe. Und ein Hocker. Und Pappe an Stöcken. Der Wolf war aus Pappe. Er war kleiner als Kitos Arm.
Kito hält die Pappwolf-Figur in der Hand, ratlos, das Licht der Lampe blendet ihn.
Kito hielt den Wolf in der Hand. Er wusste nicht, ob er sich freute.
Ruth zeigt Kito, wie man die Figur nah an die Lampe hält, der Schatten wird riesig.
„Guck“, sagte Ruth. Sie hielt den Wolf dicht an die Lampe. Auf dem Laken wurde er riesig.
Kito hält selbst die Figur, sein eigener Schatten und der Wolf verschmelzen auf dem Laken.
Kito probierte es auch. Weit weg war der Wolf klein. Nah dran war er größer als Kito.
Nächster Freitag: Kito hinter dem Laken neben Ruth, davor die Stuhlreihe mit Lasse, der die Augen aufreißt.
Am nächsten Freitag saß Kito hinten. Lasse saß vorn und machte große Augen. Kito verriet nichts. Er ließ den Wolf ganz langsam kommen.
Helle Seite, ein Pappwolf an einem Stab lehnt an der Kante; auf dem Stab sitzt ein blasser Falter.
Und du? Was sieht anders aus, wenn man dahintergeht? Ist es dann kaputt — oder anders schön?

Woher weißt du, ob etwas wirklich so ist, wie es aussieht?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Lasses Satz „Sonst ist es kaputt“ ist der ehrlichste im Buch, und er verdient beim Vorlesen eine kleine Pause. Viele Erwachsene tragen ihn mit sich herum: die Angst, dass Erklären den Zauber zerstört. Kito erlebt das Gegenteil — er darf hinter das Laken und findet dort eine neue Fähigkeit. Wer mag, spannt danach selbst ein Laken. Das Gleichnis wird sofort verständlich, wenn ein Kind einmal selbst die Lampe bedient hat.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Was hat dich schon einmal überrascht, als du genauer hingeschaut hast?
  • War es danach schlechter oder nur anders?
  • Warum wollte Lasse lieber nicht dahinterschauen?

Was Kinder hier üben:

Neugier gegen die Angst, dass Wissen etwas zerstört — und die Erfahrung, dass Erklären neue Möglichkeiten öffnet.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.