Zum Inhalt springen
thauma.
← Erfahrungen

Hannah Arendt

Erzählvideo · Die Banalität des Bösen

Das groesste Unrecht braucht keinen Daemon. Nur Gedankenlosigkeit.

Im Gerichtssaal von Jerusalem erwartete sie ein Monster. Sie fand einen pflichtbewussten Buerokraten, der Befehle ausfuehrte, Karriere machte und in hohlen Phrasen sprach. Daraus formte Hannah Arendt eine der verstoerendsten Formeln der Moderne: die Banalitaet des Boesen. Das Boese, so ihre These, entspringt nicht daemonischer Bosheit, sondern der Unfaehigkeit, vom Standpunkt des anderen zu denken und ueberhaupt innezuhalten und zu urteilen. Aber Arendt dachte nicht nur das Boese, sie dachte die Freiheit. Politik, sagt sie, entsteht zwischen Menschen, im oeffentlichen Raum, wo Verschiedene als Gleiche miteinander sprechen und handeln. Und weil mit jedem Menschen ein Anfang in die Welt kommt, ist die Faehigkeit, etwas Neues zu beginnen, die Wurzel unserer Freiheit. Sie schrieb: Das traurige Faktum ist, dass das meiste Boese von Menschen getan wird, die sich nie entschieden haben, gut oder boese zu sein. Vom Leben des Geistes. Vielleicht ist Denken selbst schon ein politischer Akt.

🎧 Vorlesen – die ganze Erfahrung hören

🔊 Erzählvideo

KI-Erzählstimme, kein Originalton — ein Porträt im Geiste des Denkers.

  1. 1

    Die Banalität des Bösen

    Das größte Unrecht kann von gewöhnlichen, gedankenlosen Menschen ausgehen, die nicht aus dämonischer Bosheit, sondern aus mangelnder Urteilskraft handeln.

  2. 2

    Vita activa – die drei menschlichen Grundtätigkeiten

    das Arbeiten (Sicherung des biologischen Lebens), das Herstellen (Schaffung der dauerhaften Dingwelt) und das Handeln (das gemeinsame Tun im Plural, das Freiheit stiftet).

  3. 3

    Das Handeln als höchste Tätigkeit

    Nur im Handeln und Sprechen unter anderen Menschen offenbart sich, wer jemand ist – hier wird Neues und Unvorhersehbares in die Welt gebracht.

Nachklang

Was bleibt, ist eine Frage, kein Schlusspunkt — und ein Satz, der nachklingt: „Das traurige Faktum ist, dass das meiste Böse von Menschen getan wird, die sich nie entschieden haben, gut oder böse zu sein.“ (Vom Leben des Geistes (postum 1978)).

Hannah Arendt

Diese Erfahrung gehört zu

Hannah Arendt

Zum Denker & Gespräch