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thauma. junior · Konfuzianismus — Form, Achtung, FamilieZehn Wege durch Wiesengrund · Band 7

Die kleinen Sachen, die man tut

Ilja, Oma Vera und der Tee

Konfuzius traute den großen Gefühlen weniger als den kleinen Formen. „Li“ — Sitte, Ritus, Anstand — ist bei ihm kein leeres Zeremoniell, sondern das Gefäß, in dem Zuneigung überhaupt transportabel wird: Man verbeugt sich nicht, weil man fühlt, sondern lernt fühlen, indem man es tut. Westliche Ohren hören darin schnell Zwang. Diese Geschichte zeigt die andere Seite: Wenn ein Kind nicht weiß, was es sagen soll, ist eine kleine Form ein Geländer. Ilja muss nichts Großes empfinden. Er muss nur den Tee bringen.

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Alle 12 Doppelseiten – Bild und Vers.

Titelbild: kleine Hand reicht eine dampfende Tasse an eine alte Hand, warmes Küchenlicht, Ausschnitt.
Die kleinen Sachen, die man tut Ilja, Oma Vera und der Tee Zehn Wege durch Wiesengrund · Band 7
Küche in Wiesengrund, Oma Veras Zimmertür halb offen, Iljas Mutter deckt den Tisch.
Seit dem Sommer wohnte Oma Vera bei ihnen. Ihr Zimmer war neben der Küche. Sie stand immer als Erste auf.
Morgens: Ilja verschlafen, gibt Oma Vera die Hand, verdreht dabei die Augen.
Jeden Morgen sollte Ilja Guten Morgen sagen. Und die Hand geben. Ilja fand das albern.
Ilja bringt widerwillig eine Tasse ans Bett, Tee schwappt, Oma Vera hält sie mit beiden Händen.
Und den Tee bringen sollte er auch. „Warum ich?“, fragte Ilja. „Weil du da bist“, sagte seine Mutter.
Ilja beim Spielen, im Hintergrund geht die Tür zu Oma Veras Zimmer zu.
Ilja machte es. Jeden Tag. Er machte es schnell. Er dachte nicht dabei nach.
Ein Krankenwagen vor dem Haus in blassem Blau, keine Dramatik, Nachbarn schauen kurz.
Dann war Oma Vera zwei Nächte im Krankenhaus. Es war nichts Schlimmes, sagten alle. Ilja glaubte es nicht ganz.
Leeres Zimmer, gemachtes Bett, die Tasse steht sauber und leer auf dem Nachttisch.
Das Zimmer war leer. Die Tasse stand da und war sauber. Ilja stand in der Tür und wusste nicht, was tun.
Ilja am Küchentisch, kocht mit der Mutter Tee, obwohl niemand da ist, zwei Tassen.
Am Morgen machte er trotzdem Tee. „Für wen?“, fragte seine Mutter. Ilja zuckte mit den Schultern.
Oma Vera kommt zurück, Mantel, Tasche, an der Tür; Ilja steht davor und weiß nichts zu sagen.
Am dritten Tag kam Oma Vera zurück. Ilja wollte etwas sagen. Ihm fiel nichts ein.
Ilja streckt die Hand aus, Oma Vera nimmt sie, beide schauen ernst.
Also gab er ihr die Hand. „Guten Morgen“, sagte er, obwohl es Nachmittag war. Oma Vera hielt seine Hand länger als sonst.
Ilja bringt Tee ins Zimmer, setzt sich diesmal auf den Bettrand, beide trinken.
Dann holte er den Tee. Diesmal blieb er sitzen, bis die Tasse leer war. Sie mussten gar nicht reden.
Helle Seite mit zwei Tassen nebeneinander; auf einem Henkel sitzt ein blasser Falter.
Und du? Was machst du jeden Tag, ohne nachzudenken? Für wen machst du es?

Was tust du für jemanden, ohne dass jemand es sagt?

Didaktische Hinweise

So liest man dieses Buch

Die Pointe liegt auf Seite 10: Ilja fühlt nicht plötzlich mehr — ihm fehlen die Worte, und die alte Form gibt sie ihm. Genau das meint Konfuzius mit „li“. Der Einwand ist berechtigt und darf ausgesprochen werden: Formen können auch erstarren und Herrschaft absichern. Deshalb endet die Geschichte nicht mit der Verbeugung, sondern damit, dass Ilja sitzen bleibt — die Form öffnet die Nähe, sie ersetzt sie nicht.

Drei Gesprächsimpulse danach:

  • Welche kleinen Sachen machen wir jeden Tag gleich?
  • Welche davon findest du albern — und welche magst du?
  • Was kann man tun, wenn man nicht weiß, was man sagen soll?

Was Kinder hier üben:

Verlässlichkeit als Zuwendung erleben — und merken, dass eine kleine Geste trägt, wenn Worte fehlen.

Wichtig: nicht zu schnell auflösen. Ihr „Ich weiß es auch nicht – schön, oder?” ist die beste Antwort.