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Problem

Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?

Warum existiert die Welt – statt gar nichts?

Die Frage trifft auf einen Punkt, an dem jede Erklärung ins Leere zu greifen droht. Denn selbst eine lückenlose Beschreibung der Welt – jede Ursache auf ihre Ursache zurückgeführt, jedes Gesetz aus einem tieferen abgeleitet – erklärt nur, warum die Dinge so sind, wie sie sind, nicht aber, warum es Dinge überhaupt gibt. Die Schwierigkeit liegt darin, dass jede Antwort selbst ein Etwas voraussetzt: Wer das Sein aus einem Grund ableiten will, hat mit diesem Grund schon ein Seiendes gesetzt und die Frage nur verschoben. Das Nichts hingegen, gegen das das Sein hier kontrastiert wird, entzieht sich dem Denken vollständig – schon das Aussprechen von „dem Nichts“ verwandelt es in einen Gegenstand und damit in ein Etwas. So oszilliert die Frage zwischen einer Selbstverständlichkeit, die plötzlich rätselhaft wird, und einem Begriff des Nichts, der bei näherem Hinsehen zerfällt.

Die maßgeblichen Positionen

Der zureichende Grund

Gottfried Wilhelm Leibniz

Nichts geschieht und nichts existiert ohne einen zureichenden Grund – und dieser kann letztlich nur ein notwendiges Wesen sein, das den Grund seiner Existenz in sich selbst trägt.

Leibniz beantwortet die Frage mit dem Satz vom zureichenden Grund: Da die Welt der kontingenten Dinge ihren Grund nicht in sich selbst hat, muss er außerhalb der Reihe liegen, in einem Wesen, das nicht existieren könnte, sondern existieren muss – Gott. Überzeugend ist die Strenge, mit der die bloße Faktizität der Welt als erklärungsbedürftig ausgewiesen wird; fraglich bleibt, ob der Sprung von der Kontingenz der Welt zu einem notwendigen Sein nicht selbst der zureichende Grund fehlt, den er behauptet.

Die Unmöglichkeit des Nichts

Parmenides

Das Nichtseiende ist weder denkbar noch sagbar; nur das Sein ist – und damit verliert die Frage ihren Gegenpol.

Parmenides bestreitet, dass die Alternative überhaupt besteht: Vom Nichtseienden lässt sich nichts aussagen, ja es lässt sich nicht einmal denken, denn jeder Gedanke ist Gedanke von etwas. Wenn aber das Nichts undenkbar ist, dann ist die Frage, warum nicht das Nichts herrsche, eine Scheinfrage – das Sein ist mit Notwendigkeit. Der Einwand: Diese Auflösung erkauft sich ihre Wucht damit, dass sie Werden, Vielheit und Veränderung als bloßen Schein erklären muss.

Die Stimmung des Staunens

Martin Heidegger

Die Frage ist keine zu lösende Aufgabe, sondern der eigentliche Grundvorgang der Metaphysik, der sich nur in einer Grundstimmung wie Angst oder Staunen auftut.

Heidegger verschiebt den Ansatz: Nicht eine Erklärung des Seienden aus einem ersten Seienden ist gefragt, sondern das Befremden über das Sein als solches, das in der Angst aufbricht, wenn das Seiende im Ganzen entgleitet und das Nichts spürbar wird. Die Stärke liegt darin, die Frage vor jeder vorschnellen Antwort zu bewahren und ihre eigentümliche Tiefe freizulegen; ihre Schwäche, dass sie kaum mehr ein argumentatives Resultat zulässt und die Frage in eine Erfahrung verwandelt.

Die Notwendigkeit der Substanz

Baruch de Spinoza

Es gibt nur eine Substanz, die ihre Ursache in sich selbst trägt; sie existiert mit absoluter Notwendigkeit, und ihr Nichtsein ist schlechthin unmöglich.

Spinoza fasst das Sein als die eine Substanz – causa sui –, zu deren Wesen das Existieren gehört: Sie könnte nicht nicht sein, denn ihr Begriff schließt die Existenz ein. Damit erscheint das Nichts nicht als reale Alternative, sondern als Unmöglichkeit, und die Frage wird im Begriff des notwendigen Seins selbst beantwortet. Der Preis ist ein strenger Notwendigkeitsmonismus, in dem für Kontingenz und damit für die Pointe der Frage – es hätte auch nichts sein können – kein Raum mehr bleibt.

Warum es offen bleibt

Die Frage bleibt strittig, weil jede Antwort an einer Schwelle steht, die sie nicht hintergehen kann: Wer einen Grund des Seins angibt, setzt mit ihm bereits Sein voraus, und wer das Nichts als Alternative ernst nimmt, hat es im selben Zug zu einem denkbaren Etwas gemacht. So zerfällt die Frage entweder in eine Tautologie – das Sein ist, weil es notwendig ist – oder sie verweist auf einen Grund jenseits aller möglichen Erklärung. Ob sie damit die tiefste aller Fragen ist oder ein begrifflicher Schwindel, der aus der Doppeldeutigkeit des Nichts entspringt, ist bis heute nicht entschieden.

Denker, die an dieser Frage rangen

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