Nicht sortieren — schließen
Die Schlusskette
Oben stehen ein paar Sätze, unten steht, was daraus folgen soll. Dazwischen liegt nichts als deine Hand: Du wählst zwei Zeilen und eine Regel, und wenn die Form stimmt, entsteht eine neue Zeile. Stimmt sie nicht, entsteht gar nichts — die Regel lässt sich nicht überreden. Geprüft wird nicht, ob dein Ergebnis plausibel klingt, sondern ob jeder Schritt gültig ist.
B
Die Dialektik: Sein, Nichts und Werden
- These: Wir beginnen mit dem reinsten, unbestimmtesten Begriff, dem „reinen Sein“ – Sein ohne jede weitere Bestimmung.
- Antithese: Reines Sein ohne jede Bestimmtheit lässt sich von „Nichts“ nicht unterscheiden; gänzlich leer schlägt es in sein Gegenteil um.
- Sein und Nichts sind also nicht starr getrennt, sondern gehen unaufhörlich ineinander über.
Also: Synthese: Dieses Übergehen selbst ist die Wahrheit beider – das „Werden“. Es „hebt“ Sein und Nichts „auf“: negiert ihre Isolierung, bewahrt sie als Momente und vereint sie auf höherer Stufe.
These ∧ Antithese → Synthese (Aufhebung) ; Sein ⇄ Nichts ⇒ Werden
Buchstaben oben, Welt hier unten — die Schrittfolge ist dieselbe. Der Unterschied liegt nicht in der Logik, sondern darin, dass in einem wirklichen Argument jede Prämisse bestreitbar ist. Gültigkeit ist billig zu haben; Wahrheit nicht.
Die vier Regeln stammen nicht aus dem Lehrbuch der Moderne. Chrysipp von Soloi (ca. 280–207 v. Chr.), das Haupt der älteren Stoa, hat fünf Grundformen des Schließens aufgestellt, die er die „Unbeweisbaren" nannte — unbeweisbar nicht, weil sie zweifelhaft wären, sondern weil sie so einfach sind, dass jeder Beweis sie schon voraussetzt. Vier davon liegen hier auf dem Tisch. Die Stoiker schlossen über ganze Sätze, wo Aristoteles über Begriffe schloss; erst das 19. Jahrhundert hat mit Frege wieder an diesen Faden angeknüpft — nachdem er zweitausend Jahre lang als das weniger Interessante galt.