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thauma.
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sinngemäß belegt

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

zugeschrieben: Sokrates

Die Quellenlage

Bei Platon steht etwas anderes und Genaueres. In der „Apologie“ (21d) erklärt Sokrates, worin sein winziger Vorsprung vor den anderen besteht: Was er nicht weiß, glaubt er auch nicht zu wissen. Das ist kein Bekenntnis zur Nullwissenschaft, sondern eine Aussage über die Deckung von Wissen und Anspruch. Die absolute Fassung — lateinisch griffig als „scio me nihil scire“ — ist eine spätere Zuspitzung, die sich verselbständigt hat, unter anderem über die mittelalterliche und humanistische Überlieferung. Sokrates selbst hat nichts geschrieben; alles, was wir haben, ist Platons Bühne.

Was dran ist

Der echte Satz ist schärfer als der berühmte. Sokrates behauptet nicht die Leere, sondern die Ehrlichkeit: Er hält das, was er nicht weiß, nicht für Wissen. Daraus wird eine Technik — die Hebammenkunst, die dem anderen keine Lehre einpflanzt, sondern ihn so lange befragt, bis die eigene Gewissheit in Widersprüche zerfällt. Dieses Nichtwissen ist produktiv; Nikolaus von Kues hat es später zur „docta ignorantia“ ausgebaut, zum belehrten Nichtwissen, das um die Grenze des Begreifens weiß und gerade dadurch weiterkommt als die Behauptung.

Der Einwand

In der absoluten Form frisst sich der Satz selbst auf: Wer nichts weiß, weiß auch nicht, dass er nichts weiß. Schon die antike Skepsis kannte diese Falle und antwortete mit dem Aufschub des Urteils statt mit einer Behauptung über das Nichts. Und Nietzsche hat den zweiten Verdacht ausgesprochen: Die sokratische Bescheidenheit sei womöglich eine Waffe — wer sich unwissend stellt und dann jede fremde Antwort zerlegt, riskiert nichts und triumphiert doch. Ein Nichtwissen, das nie ein eigenes Ergebnis wagt, ist keine Demut mehr, sondern Rhetorik.

Das Urteil · Hält halb

Der Gedanke trägt, die Verschärfung nicht. Wer ihn zitiert, sollte die platonische Fassung meinen: nicht „ich weiß nichts“, sondern „ich halte nichts für Wissen, was keines ist“. Das ist unbequemer, weil es zur Prüfung verpflichtet statt zur Koketterie.


Anderer Meinung? Trag den Satz im Live-Gespräch einem der Denker vor — und sieh, was er davon übrig lässt.