Sprüche auf dem Prüfstand
Jeder kennt sie, kaum jemand hat nachgesehen: Sätze, die als Weisheit durchgehen, weil sie einen berühmten Namen tragen. Hier steht zuerst die Quellenlage — wer es wirklich gesagt hat —, dann der Gedanke, dann der stärkste Einwand. Und am Ende ein Urteil, auch wenn es unbequem ausfällt.
falsch zugeschrieben
„Der Zweck heiligt die Mittel.“
zugeschrieben: Niccolò Machiavelli
Machiavellis meistzitierter Satz steht in keinem seiner Bücher. Die Formel stammt aus der Moraltheologie — und wurde erfunden, um sie anzugreifen.
wörtlich belegt
„Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“
zugeschrieben: Friedrich Nietzsche
Ausnahmsweise stimmt die Zuschreibung wörtlich. Falsch ist, was das Fitnessstudio daraus gemacht hat — und die Trauma-Forschung widerspricht.
sinngemäß belegt
„Wissen ist Macht.“
zugeschrieben: Francis Bacon
Bacon schrieb es anders, Hobbes machte die Formel griffig, die Arbeiterbildung machte sie zur Parole — und Foucault drehte sie um.
wörtlich belegt
„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“
zugeschrieben: Thomas Hobbes
Hobbes hat es geschrieben — als Zitat eines römischen Komödiendichters, und immer im selben Atemzug mit dem genauen Gegenteil, das nie mitzitiert wird.
unbelegt
„Wer mit einem Schwein ringt, wird schmutzig — und dem Schwein gefällt es.“
zugeschrieben: George Bernard Shaw
Die Lieblingsausrede aller, die nicht mehr diskutieren wollen. Von Shaw stammt sie nicht — und ob sie trägt, hängt davon ab, wer entscheidet, wer hier das Schwein ist.
sinngemäß belegt
„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“
zugeschrieben: Sokrates
Der berühmteste Satz der Philosophie — in dieser Form hat Sokrates ihn nie gesagt. Die Verschärfung auf „nichts“ macht aus einer Methode eine Pose.