zugeschrieben: George Bernard Shaw
In Shaws Werken und Briefen ist der Satz nicht nachweisbar; ebenso wenig bei Mark Twain oder Abraham Lincoln, denen er ebenfalls angehängt wird. Die Zitatforschung führt die frühesten greifbaren Fassungen in den amerikanischen Arbeitskampf der 1940er-Jahre zurück, wo sie dem Schlichter Cyrus Ching zugeschrieben werden — ein Mann, der beruflich mit Leuten verhandelte, die kein Interesse an einer Einigung hatten. Von dort wanderte der Satz durch Zeitungskolumnen, verlor den Urheber und gewann einen berühmten Namen. Ein Mustervorgang: Ein Bonmot ohne Vater sucht sich einen.
Philosophisch ist der Satz keine Feigheit, sondern eine alte Einsicht in die Ökonomie des Streits. Schopenhauer hat in seiner „Eristischen Dialektik“ nüchtern beschrieben, wohin ein Wortwechsel kippt, sobald das Rechthaben wichtiger wird als die Sache: Am Ende steht der Kunstgriff, persönlich zu werden — und wer sich darauf einlässt, hat den Boden schon verlassen, auf dem sich etwas klären ließe. Sein praktischer Rat ist derselbe wie der des Spruchs: prüfen, mit wem man überhaupt streitet. Epiktet geht weiter und macht daraus eine Haltung: Wenn dir jemand hinterbringt, ein anderer rede schlecht über dich, verteidige dich nicht — antworte, jener habe deine übrigen Fehler eben nicht gekannt. Die Ruhe, die daraus entsteht, ist kein Rückzug, sondern die Weigerung, dem Angriff die Macht über die eigene Stimmung zu geben.
Der Einwand ist John Stuart Mill, und er wiegt schwer. Wer nur die eigene Seite einer Sache kennt, schreibt Mill in „Über die Freiheit“, kennt auch diese kaum; eine Meinung, die sich nie im Widerspruch bewähren muss, wird selbst dann zum toten Dogma, wenn sie zufällig wahr ist. Genau das erlaubt der Spruch: Er gibt mir das Recht, den Gegner zum Schwein zu erklären, und befreit mich damit von der Prüfung meiner eigenen Position — bequem, selbstbestätigend, unwiderlegbar. Habermas fügt das politische Argument hinzu: Der zwanglose Zwang des besseren Arguments wirkt nur unter denen, die reden. Wer geht, überlässt das Feld nicht der Wahrheit, sondern dem, der lauter bleibt.
Als Regel für die eigenen Nerven trägt der Satz. Als Regel für das eigene Denken ist er gefährlich, weil er die Diagnose „Schwein“ in die Hand dessen legt, der sich die Prüfung sparen will. Brauchbar ist er also nur mit einer Nachfrage: Ringe ich hier nicht mit einem Schwein — oder nur mit einem Einwand, den ich nicht hören will?
Anderer Meinung? Trag den Satz im Live-Gespräch einem der Denker vor — und sieh, was er davon übrig lässt.