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sinngemäß belegt

„Wissen ist Macht.“

zugeschrieben: Francis Bacon

Die Quellenlage

Bei Bacon steht in den „Meditationes Sacrae“ (1597) „ipsa scientia potestas est“ — das Wissen selbst ist Macht, gesagt über Gottes Allwissen. Die knappe Schulformel „scientia potentia est“ taucht später bei Thomas Hobbes auf, der Bacon als junger Mann als Sekretär gedient hatte. Im Deutschen wurde der Satz erst im 19. Jahrhundert zur Losung — in den Arbeiterbildungsvereinen, wo er nicht Herrschaft über die Natur meinte, sondern Aufstieg gegen eine Klassenordnung. Drei Herkünfte, drei Bedeutungen, ein Wortlaut.

Was dran ist

Bacons Programm ist die Wende vom Kommentieren zum Eingreifen: Nicht mehr Aristoteles auslegen, sondern die Natur befragen, im Experiment, planmäßig, arbeitsteilig. Sein zweiter Satz gehört zwingend dazu — die Natur wird nur besiegt, indem man ihr gehorcht. Macht entsteht hier also nicht aus Willen, sondern aus Genauigkeit; wer die Regel kennt, kann handeln. Das ist der Kern der modernen Technik und, in der Arbeiterbildung, auch der Grund für die Hoffnung, dass Bildung emanzipiert.

Der Einwand

Foucault hat die Gleichung umgedreht und damit verschärft: Wissen ist nicht das Mittel, mit dem Ohnmächtige Macht gewinnen, sondern selbst eine Form von Macht — es sortiert, klassifiziert, macht sichtbar und damit regierbar. Jede Statistik über uns ist ein Griff nach uns. Damit stirbt die schöne Hoffnung nicht, aber sie verliert ihre Unschuld: Es ist nie einfach „das Wissen“, das mächtig macht, sondern immer die Frage, wer es hat, wer darin vorkommt und wer über die Kategorien verfügt. Hinzu kommt das nüchterne Gegenbeispiel: Wissen allein bewegt nichts. Die Klimaforschung weiß seit Jahrzehnten Bescheid.

Das Urteil · Hält stand

Der Satz trägt — aber nur als halbe Wahrheit, die ihre Rückseite kennt. Wissen verleiht Macht und erzeugt sie zugleich; wer ihn zitiert, sollte dazusagen, in welcher der beiden Richtungen er ihn meint.


Anderer Meinung? Trag den Satz im Live-Gespräch einem der Denker vor — und sieh, was er davon übrig lässt.