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wörtlich belegt

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“

zugeschrieben: Thomas Hobbes

Die Quellenlage

Der Satz steht in der Widmung von „De Cive“ (1642), und Hobbes markiert ihn dort als altes Wort: Es stammt aus der Komödie „Asinaria“ des Plautus. Vor allem aber steht er nie allein. Hobbes stellt ihm im selben Satz „homo homini deus“ gegenüber — der Mensch ist dem Menschen ein Gott. Beides zugleich sei wahr: der Wolf im Verhältnis der Staaten und Menschen ohne gemeinsame Macht, der Gott unter Bürgern, die in einem geordneten Gemeinwesen leben. Die geflügelte Hälfte hat die andere aufgefressen.

Was dran ist

Der Naturzustand ist bei Hobbes keine Anthropologie des Bösen, sondern ein Gedankenexperiment über fehlende Durchsetzung. Nimm die gemeinsame Gewalt weg, und selbst friedliche Menschen müssen zuerst zuschlagen, weil sie nicht wissen können, ob der andere es nicht tut — der „Krieg aller gegen alle“ folgt aus Unsicherheit, nicht aus Bosheit. Genau deshalb ist die Lösung nicht Besserung, sondern Institution: ein Souverän, dem alle so viel Macht übertragen, dass sich Vorleistung wieder lohnt. Wer den Satz für Menschenverachtung hält, hat den zweiten Teil überlesen: Unter Recht wird derselbe Mensch dem anderen ein Gott.

Der Einwand

Rousseau hat die Gegenrechnung aufgemacht: Der Mensch im Naturzustand ist nicht Wolf, sondern scheu, bedürfnislos und von Mitleid geleitet; erst Eigentum, Vergleich und Abhängigkeit machen ihn gefährlich. Hobbes, so der Vorwurf, habe den Bürgerkriegsengländer seiner Zeit in die Vorzeit zurückprojiziert. Die neuere Anthropologie stützt eher die Zwischenlage: Kleine Gesellschaften kennen weder den Krieg aller gegen alle noch den Frieden aller mit allen, sondern Kooperation, die an Verwandtschaft, Ruf und Vergeltung hängt.

Das Urteil · Hält halb

Echt zitiert und trotzdem meist falsch verwendet — weil die Hälfte fehlt, die aus der Diagnose ein Argument macht. Hobbes' Pointe ist nicht, dass der Mensch ein Wolf ist, sondern dass es an der Ordnung liegt, welches der beiden Tiere er sein muss.


Anderer Meinung? Trag den Satz im Live-Gespräch einem der Denker vor — und sieh, was er davon übrig lässt.