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thauma.
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falsch zugeschrieben

„Der Zweck heiligt die Mittel.“

zugeschrieben: Niccolò Machiavelli

Die Quellenlage

Im „Fürsten“ findet sich der Satz nicht. Am nächsten kommt eine Stelle in Kapitel 18, wo Machiavelli nüchtern feststellt, die Menge urteile nach dem Augenschein und dem Ausgang — „si guarda al fine“: Man sieht auf das Ende. Das ist eine Beobachtung darüber, wie Herrschaft wahrgenommen wird, keine Erlaubnis. Die eigentliche Formel — dass erlaubte Zwecke die Mittel erlaubt machen — stammt aus der jesuitischen Moraltheologie des 17. Jahrhunderts, prominent bei Hermann Busenbaum (1650), und wurde vor allem durch die Polemik gegen sie berühmt: Blaise Pascal hat in den „Lettres provinciales“ die Kasuistik so wirkungsvoll verspottet, dass der Satz seither als Inbegriff verlogener Ethik gilt. Machiavelli hat also den Ruf geerbt für eine Sentenz, die Theologen formuliert und ein Jansenist zur Kenntlichkeit entstellt hat.

Was dran ist

Machiavellis wirkliche These ist unbequemer als der Spruch. Er behauptet nicht, alles sei erlaubt, sondern dass politisches Handeln unter Notwendigkeit steht: Wer regieren will, kann nicht immer gut sein, und wer immer gut sein will, geht unter den vielen zugrunde, die es nicht sind. Das ist keine Moralaufhebung, sondern die Beschreibung eines Konflikts zwischen privater Tugend und öffentlicher Verantwortung — der Grund, warum Max Weber später von der Verantwortungsethik gegen die Gesinnungsethik sprach. Ernst genommen wird die Zweck-Mittel-Frage im Utilitarismus: Bentham und Mill prüfen Handlungen an ihren Folgen und nehmen die Zumutung in Kauf, die daraus entsteht.

Der Einwand

Kant setzt die Grenze, an der die Formel bricht: Behandle den Menschen niemals bloß als Mittel, sondern immer zugleich als Zweck. Sobald jemand nur noch Material eines Ziels ist, ist nicht ein Mittel zu hart, sondern die Rechnung falsch aufgemacht. Und der Utilitarismus selbst hat das Problem nicht gelöst — wer Folgen abwägt, muss sie kennen, und die Geschichte der Rechtfertigungen ist eine Geschichte von Prognosen, die nicht eintraten. Der Zweck, der die Mittel heiligen sollte, wird meist nicht erreicht; die Mittel bleiben.

Das Urteil · Bricht

Als Zitat falsch, als Grundsatz unhaltbar — und trotzdem kein billiges Ziel. Wer ihn abräumt, hat Machiavellis eigentliche Frage noch nicht beantwortet: Was tut jemand, der Verantwortung trägt, wenn saubere Hände andere das Leben kosten?


Anderer Meinung? Trag den Satz im Live-Gespräch einem der Denker vor — und sieh, was er davon übrig lässt.