Analytische Philosophie, Existenzialismus, Postmoderne und angewandte Ethik – Sartre, Wittgenstein, Rawls, Foucault.
1883–1969
Der Arzt und Psychiater, der zum großen Denker der menschlichen Existenz wurde. Jaspers fragt, wer wir in den „Grenzsituationen“ von Tod, Leid, Schuld und Kampf wirklich werden – und wie sich das „Umgreifende“, das alles Erkennbare übersteigt, in „Chiffren“ der Transzendenz andeutet.
1895–1973
Der Begründer der Frankfurter Schule und Vater der „Kritischen Theorie“. Er fragte, wie eine Vernunft, die alles berechenbar machen wollte, in die Barbarei umschlagen konnte – und schrieb mit Adorno die „Dialektik der Aufklärung“, eine der dunkelsten und scharfsinnigsten Diagnosen der Moderne.
1898–1979
Der Philosoph der Großen Weigerung und Stichwortgeber der 68er-Bewegung. Mit „Der eindimensionale Mensch“ legte er offen, wie die moderne Industriegesellschaft den Widerspruch selbst verschluckt – und träumte mit „Eros und Zivilisation“ von einer befreiten, nicht mehr repressiven Gesellschaft.
1900–2002
Der Begründer der philosophischen Hermeneutik. In „Wahrheit und Methode“ zeigte er, dass Verstehen keine Methode ist, die man anwendet, sondern ein Geschehen, in das wir immer schon hineingestellt sind – und dass das Vorurteil nicht das Gegenteil der Erkenntnis ist, sondern ihre Bedingung.
1901–1981
Der große Erneuerer der Psychoanalyse im 20. Jahrhundert. Mit seiner „Rückkehr zu Freud“ las er das Unbewusste als sprachliche Struktur und prägte mit Spiegelstadium, dem objet petit a und der Trias des Realen, Imaginären und Symbolischen das Denken über das Subjekt von Grund auf neu.
1902–1994
Der große Wissenschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts und Begründer des kritischen Rationalismus. Seine berühmte These: Wissenschaftlich ist eine Theorie nicht, weil sie sich beweisen, sondern weil sie sich widerlegen lässt – das Kriterium der Falsifizierbarkeit. Als Verteidiger der „offenen Gesellschaft“ wurde er zugleich zu einem der schärfsten Kritiker totalitären Denkens.
1903–1969
Der schärfste Kopf der Frankfurter Schule. Mit Horkheimer schrieb er die „Dialektik der Aufklärung“, prägte den Begriff der „Kulturindustrie“ und entwarf in der „Negativen Dialektik“ ein Denken gegen das Ganze – sein berühmtester Satz: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“
1905–1980
Wortführer des französischen Existenzialismus und Verfechter der radikalen Freiheit. Sein Satz „Die Existenz geht der Essenz voraus“ wurde zur Formel einer ganzen Epoche.
1906–1975
Die große politische Denkerin des 20. Jahrhunderts. Aus der Erfahrung von Totalitarismus, Flucht und Staatenlosigkeit dachte sie das Politische neu – und prägte mit der „Banalität des Bösen“ eine der umstrittensten und folgenreichsten Formeln der Moderne.
1908–1986
Mitbegründerin des existenzialistischen Feminismus und Autorin von „Das andere Geschlecht“. Ihr Satz „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ wurde zur Grundformel der Geschlechterforschung.
1908–2009
Der Begründer der strukturalen Anthropologie. Lévi-Strauss übertrug die Sprachwissenschaft Saussures auf die Kultur und zeigte: Hinter Mythen, Verwandtschaft und Küche wirken überall dieselben unbewussten Strukturen des menschlichen Geistes – ein Spiel binärer Oppositionen.
1908–1961
Der Philosoph des Leibes. Merleau-Ponty rückte den eigenen Körper ins Zentrum der Phänomenologie: Nicht ein körperloser Geist erkennt die Welt, sondern ein leibliches Wesen, das immer schon wahrnehmend in ihr steckt – noch bevor es denkt.
1908–2000
Der wohl einflussreichste amerikanische Philosoph des 20. Jahrhunderts. Mit „Zwei Dogmen des Empirismus“ riss er die Grenze zwischen analytischen und synthetischen Sätzen ein, machte das Wissen zu einem einzigen, an seinen Rändern mit der Erfahrung verknüpften Netz – und stellte mit der „Unbestimmtheit der Übersetzung“ die Idee fester Bedeutungen radikal in Frage.
1913–1960
Der Denker des Absurden und der Revolte. In „Der Mythos des Sisyphos“ stellt Camus die radikalste aller Fragen – die nach dem Selbstmord – und antwortet mit einem trotzigen Ja zum Leben: Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.
1915–1980
Der Semiologe, der die verborgene Sprache der Alltagswelt entzifferte. Barthes entlarvte den „Mythos“ als bürgerliche Selbstverständlichkeit und proklamierte den „Tod des Autors“ – die Bedeutung eines Textes entsteht nicht in der Absicht des Schreibers, sondern in der Lektüre des Lesers.
1921–2002
Der Erneuerer der politischen Philosophie im 20. Jahrhundert. Mit „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ stellte er die Frage nach der gerechten Grundordnung neu – und antwortete mit einem genialen Gedankenexperiment: dem Schleier des Nichtwissens.
1922–1996
Der Physiker und Wissenschaftshistoriker, der unser Bild von der Wissenschaft umstürzte. Mit „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ machte er das Wort „Paradigma“ weltberühmt und zeigte: Wissenschaft schreitet nicht stetig fort, sondern wechselt sprunghaft ihre Weltsicht.
1925–1995
Der große Denker der Differenz und des Werdens. Gegen ein Denken, das die Welt in feste Identitäten und Hierarchien zwängt, entwarf Deleuze eine Philosophie der reinen Differenz, der Vielheiten und des Begehrens – wuchernd wie ein „Rhizom“, das in alle Richtungen wächst.
1926–1984
Französischer Denker der Macht, des Wissens und des Diskurses. In historischen Analysen von Wahnsinn, Klinik, Gefängnis und Sexualität zeigte er, wie sich Subjekte erst innerhalb von Machtverhältnissen herausbilden.
1926–2016
Einer der vielseitigsten und ehrlichsten Denker der analytischen Philosophie. Mit dem Gedankenexperiment der Zwillingserde zeigte er, dass „Bedeutungen einfach nicht im Kopf stecken“ – und mit dem Gehirn im Tank, dass wir gar nicht sinnvoll behaupten können, bloß ein solches zu sein.
*1929
Der große Theoretiker der Vernunft im Gespräch. Habermas verlagert die Wahrheit von der einsamen Bewusstseinsanalyse in die Sprache: Gültig ist, was im herrschaftsfreien Diskurs unter freien und gleichen Sprechern Zustimmung finden könnte.
1930–2004
Der Begründer der Dekonstruktion. Derrida zeigte, dass die abendländische Philosophie heimlich auf einer „Metaphysik der Präsenz“ ruht – und brachte mit der „différance“ die scheinbar festen Gegensätze unseres Denkens ins Wanken.
1932–2025
Einer der einflussreichsten analytischen Philosophen der Gegenwart. Mit dem Gedankenexperiment des „Chinesischen Zimmers“ erschütterte er den Anspruch der „starken KI“, dass ein Computer durch bloße Symbolverarbeitung wirklich verstehen könne – und entwickelte eine umfassende Theorie von Sprache, Geist und sozialer Wirklichkeit.
1940–2022
Das vielleicht größte logische Genie der analytischen Philosophie. Mit „Name und Notwendigkeit“ stürzte er die herrschende Theorie der Bedeutung von Namen, erfand die „starren Designatoren“ und zeigte, dass es notwendige Wahrheiten gibt, die wir nur a posteriori erkennen.
1947–2022
Französischer Philosoph und Anthropologe der Wissenschaft. Mit der Akteur-Netzwerk-Theorie löste er die moderne Trennung von Natur und Gesellschaft auf – und gab den Dingen eine Stimme.