Scholastik und die Synthese von Glaube und Vernunft – Augustinus, Anselm, Thomas von Aquin, Ockham.
354–430 n. Chr.
Bedeutendster Kirchenvater des lateinischen Westens. Er verband den Neuplatonismus mit dem Christentum und prägte das abendländische Denken über Zeit, Wille, Gnade und das innere Selbst.
ca. 480–524
Der „letzte Römer und erste Scholastiker“. Im Angesicht des eigenen Todes schrieb er mit „Der Trost der Philosophie“ eines der meistgelesenen Bücher des Mittelalters – und rettete als Übersetzer und Vermittler das logische Erbe der Antike in eine neue Welt.
ca. 700–750
Der große Lehrer der Nicht-Dualität. Mit dem Advaita-Vedanta brachte Shankara den vielleicht radikalsten Monismus der Philosophiegeschichte auf eine Formel: Brahman allein ist wirklich, die Welt der Vielheit ist Schein (Maya) – und der innerste Kern des Menschen, Atman, ist mit dem absoluten Brahman identisch.
980–1037
Der größte Denker des islamischen Mittelalters und einer der einflussreichsten Metaphysiker überhaupt. Mit der Unterscheidung von Essenz und Existenz und dem „fliegenden Mann“ stellte Ibn Sina Fragen, die von Thomas von Aquin bis Descartes nachhallen.
1033–1109
Der „Vater der Scholastik“ und Erzbischof von Canterbury. Er suchte, Gott allein aus der Vernunft zu beweisen – und schuf mit dem ontologischen Gottesbeweis eines der berühmtesten und umstrittensten Argumente der Philosophiegeschichte.
1058–1111
Der große Skeptiker und Mystiker des Islam. In „Die Inkohärenz der Philosophen“ zerlegte er den Anspruch der aristotelischen Vernunft, Gott und Welt zu begreifen – und fand am Ende seines Zweifels Gewissheit nicht im Beweis, sondern im „Geschmack“ der sufischen Erfahrung.
1079–1142
Der schärfste Logiker des Hochmittelalters und ein Pionier der Scholastik. Im Universalienstreit fand Abaelard mit dem Konzeptualismus einen dritten Weg, mit „Sic et Non“ machte er den Widerspruch zur Methode – und mit Heloise erlebte er eine der berühmtesten und tragischsten Liebesgeschichten der Geschichte.
1126–1198
Der große Aristoteles-Kommentator des islamischen Spaniens. Für das lateinische Mittelalter schlicht „der Kommentator“, dachte er die Einheit von Glaube und Vernunft und stellte die kühne These vom einen, allen Menschen gemeinsamen Intellekt auf.
1138–1204
Der größte jüdische Denker des Mittelalters. In seinem „Führer der Unschlüssigen“ versuchte Maimonides das scheinbar Unvereinbare zu versöhnen: die geoffenbarte Tora und die Vernunft des Aristoteles – und entwarf eine radikale negative Theologie, die von Gott nur sagt, was er nicht ist.
1225–1274
Bedeutendster Denker der Hochscholastik, der die wiederentdeckte Philosophie des Aristoteles mit der christlichen Theologie versöhnte. Seine „Summa theologiae“ wurde zum maßgeblichen System mittelalterlichen Denkens.
ca. 1287–1347
Der scharfsinnigste Logiker des Spätmittelalters und Vater des „Rasiermessers“. Ockham verlangte radikale gedankliche Sparsamkeit, bestritt die reale Existenz der Allgemeinbegriffe (Nominalismus) und trennte den Glauben streng vom Wissen – und bereitete damit dem Denken der Neuzeit den Boden.