Deutscher Idealismus, Lebensphilosophie, Phänomenologie und die großen Kritiker – Hegel, Nietzsche, Husserl, Heidegger.
1762–1814
Der erste der drei großen Idealisten nach Kant. Fichte setzte an die Spitze aller Philosophie nicht ein Ding, sondern eine Tat: das absolute Ich, das sich selbst in einer ursprünglichen „Tathandlung“ setzt – und mit den „Reden an die deutsche Nation“ wurde er zur Stimme eines erwachenden Nationalbewusstseins.
1770–1831
Vollender des Deutschen Idealismus. Sein dialektisches Denken begreift Wirklichkeit, Geschichte und Bewusstsein als Prozess, in dem der „Geist“ durch Widersprüche hindurch zu sich selbst kommt.
1775–1854
Das frühreife Genie des deutschen Idealismus und sein großer Naturphilosoph. Schelling dachte Geist und Natur als zwei Seiten einer einzigen lebendigen Wirklichkeit – und erhob die Kunst zum höchsten Organ der Philosophie.
1788–1860
Begründer eines metaphysischen Pessimismus: Die Welt ist Erscheinung („Vorstellung“), ihr blindes Wesen aber ein ziel- und ruheloser „Wille“. Erlösung vom Leiden sucht er in Kunst, Mitleid und Willensverneinung.
1798–1857
Der Begründer des Positivismus und Namensgeber der Soziologie. Comte verkündete das „Dreistadiengesetz“, nach dem sich der menschliche Geist vom theologischen über das metaphysische zum positiven, wissenschaftlichen Denken entwickelt – und nur noch das gelten lässt, was sich beobachten und gesetzmäßig erfassen lässt.
1804–1872
Der große Religionskritiker des 19. Jahrhunderts. Feuerbach drehte die Theologie um: Nicht Gott hat den Menschen geschaffen, sondern der Mensch hat Gott geschaffen. Religion ist die Projektion des menschlichen Wesens an einen erträumten Himmel – und Theologie in Wahrheit Anthropologie.
1806–1873
Der Denker, der den Utilitarismus menschlich machte. Mill verfeinerte das nüchterne Nützlichkeitsprinzip Benthams zu einer Lehre von höheren und niederen Lüsten – und schrieb mit „Über die Freiheit“ das bis heute schärfste Plädoyer für die Freiheit des Einzelnen gegen die Tyrannei der Mehrheit.
1813–1855
Der dänische Denker des Einzelnen und Vater des Existenzialismus. Gegen das System Hegels stellte er die existierende, leidende, wählende Person – und beschrieb die Angst als den „Schwindel der Freiheit“ und den Glauben als einen Sprung, den keine Vernunft erzwingen kann.
1818–1883
Philosoph, Ökonom und Revolutionär. Mit dem historischen Materialismus und der Kapitalismuskritik deutete er die Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen – und prägte das 20. Jahrhundert wie kaum ein anderer.
1820–1895
Mitbegründer des Marxismus, Fabrikantensohn und lebenslanger Weggefährte von Karl Marx. Er gab dem historischen und dialektischen Materialismus seine populäre Gestalt und übertrug die Dialektik auf die Natur selbst.
1825–1904
Der Begründer der musikalischen Formalismus-Ästhetik: Der Inhalt der Musik sei nicht das Gefühl, das sie weckt, sondern allein die bewegte Tongestalt selbst – „tönend bewegte Formen“. Damit wollte er das Reden über Musik vom Schwärmen aufs Argument umstellen.
1833–1911
Der Begründer einer eigenständigen Philosophie der Geisteswissenschaften. Mit der berühmten Unterscheidung „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir“ gab er den Wissenschaften vom Menschen eine eigene Methode – das Verstehen – und machte das Erlebnis zum Ausgangspunkt allen geistigen Lebens.
1839–1914
Der Begründer des Pragmatismus und einer der originellsten Denker Amerikas. Peirce machte die Frage, was ein Begriff praktisch bedeutet, zum Prüfstein der Erkenntnis – und schuf zugleich mit seiner Zeichenlehre, der Semiotik, eine ganz neue Logik des Denkens.
1842–1910
Der Vater des amerikanischen Pragmatismus und Pionier der modernen Psychologie. Für ihn ist eine Idee dann „wahr“, wenn sie sich im Leben bewährt – ihr Wert bemisst sich an ihrem „cash value“, ihrem konkreten Ertrag für die Erfahrung.
1844–1900
Radikaler Kritiker von Moral, Religion und Metaphysik. Mit der Diagnose „Gott ist tot“, dem Willen zur Macht und der Idee des Übermenschen suchte er nach einer Bejahung des Lebens jenseits überkommener Werte.
1848–1925
Der bedeutendste Logiker seit Aristoteles. Er erfand die moderne Prädikatenlogik, begründete den Logizismus und die analytische Sprachphilosophie – kaum beachtet zu Lebzeiten.
1857–1913
Der Begründer der modernen Sprachwissenschaft und Vater des Strukturalismus. Saussure begriff die Sprache nicht als Sammlung von Namen für Dinge, sondern als ein System reiner Unterschiede – und legte damit das Fundament, auf dem das ganze Denken des 20. Jahrhunderts von Lévi-Strauss bis Derrida aufbaute.
1859–1941
Der Philosoph der gelebten Zeit. Gegen eine Welt, die alles in messbare Größen zerlegt, setzte Bergson die „Dauer“ (durée) – die Zeit, wie wir sie innerlich erleben – und den „élan vital“, den schöpferischen Schwung des Lebens.
1859–1952
Der große Pragmatist der Demokratie und Erziehung. Für Dewey ist Denken kein Spiegeln der Welt, sondern ein Werkzeug zur Lösung von Problemen – und Wahrheit das, was sich in der Erfahrung bewährt. Sein Instrumentalismus machte aus Philosophie eine Praxis der intelligenten Lebensführung.
1859–1938
Der Begründer der Phänomenologie. Mit dem Ruf „Zu den Sachen selbst!“ wollte Husserl die Philosophie zu einer strengen Wissenschaft machen – durch genaue Beschreibung dessen, wie sich die Dinge dem Bewusstsein zeigen.
1861–1947
Der Mathematiker, der zum großen Metaphysiker des Werdens wurde. Mit „Prozess und Realität“ entwarf er eine Philosophie, in der die Welt nicht aus festen Dingen besteht, sondern aus einem unaufhörlichen Geschehen von Ereignissen.
1862–1943
Einer der größten Mathematiker der Moderne. Sein „Hilbert-Programm“ wollte die gesamte Mathematik formal sichern – bis Gödel zeigte, dass dies prinzipiell unmöglich ist.
1872–1970
Mitbegründer der analytischen Philosophie, Logizist und Lehrer Wittgensteins. Seine Antinomie stürzte die Grundlagen der Mathematik in eine Krise – seine Typentheorie wies einen Ausweg.
1874–1945
Neukantianer und Begründer der „Philosophie der symbolischen Formen“. Für ihn ist der Mensch ein „animal symbolicum“, das sich durch Sprache, Mythos, Kunst und Wissenschaft eine eigene Welt schafft.
1880–1936
Kulturmorphologe und Verfasser des „Untergang des Abendlandes“: Er deutete die Hochkulturen als lebendige Organismen, die wie Pflanzen ihre Jahreszeiten durchlaufen – und sah den Westen bereits in seinem Winter.
1889–1976
Stellte die seit der Antike „vergessene“ Frage nach dem Sinn von Sein neu. Mit „Sein und Zeit“ wurde er zum Wegbereiter von Existenzialismus und Hermeneutik.
1889–1951
Hauptwegbereiter der analytischen Philosophie und Vater des „Linguistic Turn“. Er verlegte das Zentrum der Philosophie in die Sprache – zweimal, mit zwei gegensätzlichen Werken.
1891–1970
Zentrale Figur des Wiener Kreises und des logischen Empirismus. Bedeutendster Frege-Schüler, der die Philosophie durch logische Analyse der Wissenschaftssprache ersetzen wollte.
1892–1940
Der melancholische Denker der Moderne, der die Kunst im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit neu vermaß. Zwischen Materialismus und jüdischer Messianik schrieb er über die schwindende „Aura“ der Dinge und blieb mit dem unvollendeten „Passagen-Werk“ der große Fragmentarist des 20. Jahrhunderts.
1901–1976
Mitbegründer der Quantenmechanik und Schöpfer der Unschärferelation. Als Wissenschaftsphilosoph machte er die Kopenhagener Deutung zur erkenntnistheoretischen Lehre über die Grenzen objektiver Beschreibung – und kehrte über die Quantentheorie zu Platon und Kant zurück.
1906–1978
Einer der bedeutendsten Logiker des 20. Jahrhunderts. Seine Unvollständigkeitssätze zeigten die prinzipiellen Grenzen jedes formalen Systems – und trennten Wahrheit für immer von Beweisbarkeit.