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Die philosophische Wochenzeitung von thauma.

Philosophie der Gegenwart

Geist & Maschine · Wahrheit & Öffentlichkeit · Macht & Gerechtigkeit · Mensch & Natur · Spiel & Sinn

Das Staunen hört bei der Antike nicht auf. Woche für Woche nehmen wir uns ein Thema der heutigen Welt vor – erst der Aufhänger, der gerade Schlagzeilen macht, dann der Essay, gelesen mit denen, die am tiefsten darüber nachgedacht haben.

Spiel & SinnKW 23 · Juni 2026

Warum ist uns ein Spiel so wichtig?

Ist das Spiel bloßer Zeitvertreib – oder zeigt sich darin erst, wer wir sind?

Am 11. Juni rollt in Mexico City der Ball, und mit ihm eine Maschinerie aus 3D-gescannten Spieleravataren, einer Abseitserkennung, die Zehn-Zentimeter-Margen ausmisst, und einer stabilisierten Kamera auf der Brust des Schiedsrichters, die uns sein Blickfeld auf die Stadionleinwand wirft. Achtundvierzig Mannschaften, drei Länder, neununddreißig Tage, in denen ein ganzer Kontinent den Atem anhalten wird – wegen eines Spiels. Aber warum eigentlich? Warum ist uns ausgerechnet das Spiel so wichtig, das doch, ehrlich besehen, um nichts geht?

Mit:Friedrich SchillerHans-Georg GadamerFriedrich NietzscheAristotelesweiterlesen →
Geist & MaschineKW 22 · Juni 2026

Versteht die Maschine – oder rechnet sie nur?

Kann ein System Bedeutung verstehen – oder bleibt es bloße Syntax ohne Semantik?

Vom 2. August an greifen die Durchsetzungsbefugnisse des europäischen KI-Gesetzes, und im Mai hat Brüssel die eigenen Regeln im sogenannten Omnibus noch einmal entschlackt und Fristen verschoben; in San Francisco verspricht OpenAI für dieses Jahr den „KI-Forschungspraktikanten“, für 2028 den selbständig forschenden Apparat, während Dario Amodei in Davos die Schwelle zur Allzweck-Intelligenz schon in Sichtweite wähnt. Die Maschine antwortet flüssiger denn je, in ganzen Sätzen, mit dem Tonfall des Verstehens. Und genau da kehrt, mit neuer Dringlichkeit, eine alte Frage zurück: Versteht sie, was sie sagt – oder rechnet sie nur?

Mit:John SearleHilary PutnamLudwig Wittgensteinweiterlesen →
Macht & GerechtigkeitKW 22 · Juni 2026

Wer zahlt für wen?

Nach welchem Maßstab verteilen wir Wohlstand und Lasten zwischen Jung und Alt, Arm und Reich?

Am 5. Dezember hat der Bundestag das Rentenpaket beschlossen und das Niveau bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben; im kommenden Juli steigen die Bezüge von gut 21 Millionen Rentnern um 4,24 Prozent, während der Beitragssatz, heute noch bei 18,6 Prozent, ab 2027 zu klettern beginnt – und während jüngere Unionsabgeordnete und Wirtschaftsweise vor einem Bruch der Generationengerechtigkeit warnen. Dahinter wartet, wie ein Gläubiger im Vorzimmer, die alte Frage: Wer zahlt eigentlich für wen?

Mit:John RawlsAdam SmithKarl Marxweiterlesen →
Wahrheit & ÖffentlichkeitKW 21 · Mai 2026

Gibt es noch gemeinsame Fakten?

Braucht eine freie Gesellschaft eine geteilte Wirklichkeit – und wer verbürgt sie?

Im April 2025 hat Meta in den USA die unabhängige Faktenprüfung abgeschafft und durch „Community Notes“ ersetzt, jene gemeinschaftlich verfertigten Fußnoten, von denen das eigene Oversight Board inzwischen einräumt, dass sie der Desinformation zu langsam und zu lückenhaft begegnen. Und im Herbst zuvor hatten Deepfakes in Irlands Präsidentschaftswahl eine Schwelle berührt, jenseits derer das bloße Auge ins Wanken gerät: Ein gefälschtes Video ließ die spätere Siegerin ihren Rückzug verkünden, eingefasst in ein nachgebautes Nachrichtenstudio, in dem die geraubten Gesichter echter Sprecher das Erlogene „bestätigten“. Und wieder steht die alte, unbequeme Frage im Raum, diesmal ohne ihr gewohntes Echo: Gibt es noch gemeinsame Fakten?

Mit:Hannah ArendtMichel FoucaultJürgen HabermasFriedrich Nietzscheweiterlesen →
Macht & GerechtigkeitKW 20 · Mai 2026

Was schulden wir denen, die noch nicht geboren sind?

Reicht unsere Verantwortung über unsere Lebenszeit hinaus?

Im Mai 2026 fielen über Europa reihenweise Hitzerekorde, der deutsche Frühling war einer der wärmsten seit Messbeginn 1881, und in Karlsruhe wird noch in diesem Jahr ein neues Urteil über das Klimaschutzgesetz erwartet, während in New York über erste Resolutionen gerungen wird, die das ICJ-Gutachten von 2025 zur Generationengerechtigkeit politisch verbindlich machen sollen. Plötzlich klagen, urteilen, regieren wir im Namen von Menschen, die noch keinen Namen tragen. Und die alte Frage steht so nackt im Raum wie lange nicht: Was schulden wir denen, die noch nicht geboren sind?

Mit:John RawlsImmanuel KantHannah Arendtweiterlesen →
Macht & GerechtigkeitKW 19 · Mai 2026

Wie viel Sicherheit verträgt die Freiheit?

Macht uns ständige Beobachtung sicherer – oder verwandelt sie uns in fügsame Subjekte?

Anfang April lief die „freiwillige Chatkontrolle“ der EU aus, das Parlament ließ die Verlängerung im März scheitern – und doch wird über das dauerhafte Gesetz weiter verhandelt, während Bundesinnenminister Dobrindt für Bundespolizei und BKA die biometrische Suche im offenen Netz ausbauen will und die Gesichtserkennung der Behörden sich binnen eines Jahres vervielfacht hat. Im August greifen die nächsten Stufen des EU-AI-Acts, der das wahllose Auslesen von Gesichtern längst untersagt – während die Praxis ihm vorauseilt. Zwischen dem Versprechen, uns zu schützen, und der Geste, uns zu erfassen, stellt sich die alte Frage neu: Wie viel Sicherheit verträgt die Freiheit?

Mit:Jeremy BenthamMichel FoucaultThomas HobbesJohn Stuart Millweiterlesen →
Mensch & NaturKW 18 · April 2026

Dürfen wir den Menschen verbessern?

Ist die Verbesserung des Menschen Befreiung – oder Anmaßung über ein anderes Leben?

In diesem Frühjahr haben gleich zwei junge Biotech-Firmen, Manhattan Genomics und Preventive, angekündigt, die Erbgut-Schere CRISPR an menschlichen Embryonen erproben zu wollen – an Embryonen also, die später Kinder, Erwachsene, Großeltern werden könnten. Zugleich verkaufen Startups wie Nucleus oder Herasight wohlhabenden Eltern „Polygen-Scores“, die Embryonen nach mutmaßlicher Intelligenz sortieren, und in den USA hat die Firma Life Biosciences die erste Erlaubnis erhalten, gealterte Zellen im lebenden Menschen wieder jünger zu programmieren – zunächst, um erblindenden Augen das Sehen zurückzugeben. Was als medizinisches Versprechen daherkommt, stellt eine sehr alte Frage neu: Dürfen wir den Menschen verbessern – und wer ist dann eigentlich „wir“?

Mit:Jürgen HabermasImmanuel KantFriedrich Nietzscheweiterlesen →
Macht & GerechtigkeitKW 17 · April 2026

Kann ein Krieg gerecht sein?

Gibt es einen gerechten Krieg – und was schulden wir dem Frieden?

Im April hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI nachgezählt, und die Summe hat selbst die Auguren erschreckt: 2,89 Billionen Dollar gab die Welt 2025 für ihre Waffen aus, in Europa stieg der Posten um vierzehn Prozent, in Deutschland gar um ein Viertel – das Land, das ein halbes Jahrhundert lang von seiner Wehrhaftigkeit nichts wissen wollte, ist über Nacht zum größten Rüster des Kontinents geworden. Man redet wieder, fast beiläufig, von eigenen Atomwaffen für Europa und von Raketen, die weit über die Grenzen hinaus treffen. Und unter all den Haushaltszahlen und Prozentpunkten liegt, kaum ausgesprochen, eine sehr alte Frage, die plötzlich wieder atmet: Kann ein Krieg gerecht sein?

Mit:Augustinus von HippoThomas von AquinImmanuel Kantweiterlesen →
Spiel & SinnKW 16 · April 2026

Vernetzt – und doch einsam?

Sind wir in der vernetzten Welt einsamer denn je?

Die Vodafone-Stiftung legte im Februar eine Studie mit dem schönen, traurigen Titel „Generation einsam?“ vor: Fast jeder zweite Jugendliche zwischen vierzehn und zwanzig nennt Einsamkeit eine alltägliche Last – und greift ausgerechnet zum Smartphone, um ihr zu entkommen. Eine US-Erhebung unter fast 65.000 Studierenden rechnete derweil vor, dass schon zwei Stunden täglich in den Netzwerken die Wahrscheinlichkeit erhöhen, sich verlassen zu fühlen, während Beratungsfirmen für 2026 die KI als Heilmittel gegen die Vereinzelung anpreisen. Man könnte meinen, nie sei ein Mensch weniger allein gewesen – und fragt sich doch: Sind wir in der vernetzten Welt einsamer denn je?

Mit:Blaise PascalSøren KierkegaardHannah Arendtweiterlesen →
Geist & MaschineKW 15 · April 2026

Was wird aus uns, wenn die Maschinen die Arbeit übernehmen?

Brauchen wir die Arbeit – oder befreit uns ihr Ende?

Im Frühjahr 2026 las sich die Bilanz wie ein leises Beben: Knapp 50.000 Stellenstreichungen in den USA wurden in diesem Jahr ausdrücklich der künstlichen Intelligenz zugeschrieben, Block entließ viertausend von zehntausend Mitarbeitern, und die New Yorker Notenbank meldete, dass ausgerechnet junge Informatik-Absolventen mit sieben Prozent Arbeitslosigkeit dastehen — höher als der Durchschnitt, dem sie eigentlich entwachsen sollten. Während Sam Altman und Elon Musk schon das Grundeinkommen als Trostpflaster ausrufen, kippt die Statistik in eine ältere, beunruhigendere Frage. Brauchen wir die Arbeit — oder befreit uns ihr Ende?

Mit:Karl MarxHannah ArendtAdam Smithweiterlesen →

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